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Warum man beim Fasten friert und was Wärme und Sauna bewirken

8. November 20264 Min. Lesezeit
Breiter Sandstrand mit Kiefern in den Dünen an der polnischen Ostsee

von Cordelia Jülich, Heilpraktikerin & Fasten-Wander-Leiterin mit über 27 Jahren Erfahrung · Lesezeit ca. 4 Minuten

Am zweiten Fastentag sehe ich es fast immer: Beim Frühstückstee sitzen plötzlich alle mit Schal am Tisch. Eine Teilnehmerin hat die Hände um die Tasse gelegt, eine andere fragt, ob die Heizung kaputt ist. Sie ist es nicht. Frieren gehört zu den häufigsten Erfahrungen in den ersten Fastentagen, und es hat gute Gründe.

Warum dein Körper beim Fasten Wärme spart

Die Wärme aus der Verdauung fällt weg. Wenn du isst, arbeitet dein Verdauungssystem, und dabei entsteht Wärme. Fachleute sprechen von der nahrungsinduzierten Thermogenese, sie macht rund ein Zehntel des täglichen Energieumsatzes aus. Beim Fasten entfällt dieser kleine innere Ofen.

Dein Körper schaltet in den Sparmodus. In den ersten Fastentagen sinkt das aktive Schilddrüsenhormon T3 im Blut. Das ist gut untersucht und eine normale Anpassung: Der Körper drosselt den Grundumsatz ein wenig, um mit seinen Reserven hauszuhalten. Nach dem Fasten steigt der Wert wieder an.

Die Wärme wird nach innen geholt. Damit die Organe gut versorgt bleiben, zieht der Körper die Durchblutung etwas aus Händen und Füßen zurück. Deshalb frieren viele Fastende zuerst an den Fingern und Zehen, während der Rumpf noch warm ist.

Für die meisten ist das Frieren nach zwei bis drei Tagen deutlich weniger geworden. Es ist kein Zeichen, dass etwas schiefläuft.

Was die Forschung zur Sauna sagt

Wärme von außen tut beim Fasten gut, und die Sauna ist dafür eine naheliegende Idee. Die bekannteste Studie dazu kommt aus Finnland. Ein Forschungsteam um Tanjaniina Laukkanen hat 2.315 Männer im Alter von 42 bis 60 Jahren rund 20 Jahre lang begleitet und ihre Saunagewohnheiten erfasst (Laukkanen et al., JAMA Internal Medicine 2015). Wer vier bis sieben Mal pro Woche in die Sauna ging, hatte im Beobachtungszeitraum ein geringeres Risiko für Herzkreislauferkrankungen und eine geringere Sterblichkeit als Männer, die nur einmal pro Woche saunierten.

Das ist interessant, aber es braucht eine ehrliche Einordnung:

  • Es war eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis, dass die Sauna die Ursache war. Wer viel sauniert, lebt vielleicht auch sonst anders.
  • Untersucht wurden nur Männer, und zwar in Finnland, wo die Sauna zum Alltag gehört.
  • Die Studie hat nicht das Saunieren während des Fastens untersucht.

Was man sagen kann: Regelmäßige Wärme gehört bei vielen Menschen zu einem gesunden Alltag, und es spricht einiges dafür, dass sie dem Kreislauf guttut. Mehr gibt die Forschung derzeit nicht her.

Sauna beim Fasten: so geht es gut

Beim Fasten reagiert der Kreislauf empfindlicher als sonst. Das heißt nicht, dass die Sauna tabu ist. In unseren Fastenwochen an der polnischen Ostsee und in der Sächsischen Schweiz gehört sie für viele zum Nachmittag. Aber ein paar Regeln haben sich bewährt:

  • Nicht in den ersten beiden Fastentagen, wenn dir beim Aufstehen schwindelig wird. Ab dem dritten Tag geht es meist besser.
  • Kürzer und niedriger als sonst: acht bis zehn Minuten, lieber auf der unteren oder mittleren Bank.
  • Langsam aufstehen und dir nach dem Saunagang Zeit lassen.
  • Abkühlen ja, Schockkälte nein. Kühles Wasser über Arme und Beine reicht. Das Tauchbecken lässt du beim Fasten besser aus.
  • Danach trinken, am besten Kräutertee oder eine warme Brühe. Die Brühe bringt auch Salz zurück, das du beim Schwitzen verlierst.
  • Ein Saunagang genügt. Zwei sind möglich, wenn du dich gut fühlst, drei sind zu viel.

Fünf Wege, die von innen und außen wärmen

1. Warm trinken. Kräutertee, Ingwerwasser oder Gemüsebrühe über den Tag verteilt.

2. Bewegen. Schon ein Spaziergang am Morgen bringt die Durchblutung in Gang. Danach ist dir oft für Stunden wärmer.

3. Die Wärmflasche ist deine Freundin, am besten als Leberwickel in der Mittagsruhe.

4. Zwiebelprinzip. Lieber drei dünne Schichten als einen dicken Pullover, dazu warme Socken auch nachts.

5. Ein warmes Fußbad am Abend. Zehn Minuten reichen, und das Einschlafen fällt leichter.

Für wen Fasten nicht passt

Fasten ist nicht für jede geeignet. Nicht fasten solltest du in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Untergewicht und bei einer aktuellen oder früheren Essstörung. Wenn du eine chronische Erkrankung hast oder dauerhaft Medikamente nimmst, kläre das Fasten vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Das gilt auch für die Sauna: Bei Herzkreislauferkrankungen oder niedrigem Blutdruck gehört die Frage zuerst in die ärztliche Sprechstunde.

Und noch ein Hinweis: Wenn du nicht nur fröstelst, sondern dich richtig elend fühlst, stark zitterst oder dir dauerhaft schwindelig ist, ist das kein normales Fastenfrieren mehr. Dann brich das Fasten ab und hol dir ärztliche Hilfe.

Quelle

Laukkanen T, Khan H, Zaccardi F, Laukkanen JA. Association between sauna bathing and fatal cardiovascular and all-cause mortality events. JAMA Internal Medicine. 2015;175(4):542 bis 548.

Weiterlesen: Warum die meisten am zweiten oder dritten Fastentag aufhören

Fasten mit Meer und Spa

In unseren Fastenwochen an der polnischen Ostsee im Hotel Juvena gehören Sauna, Pools und Salzgrotte zum Programm, nach der Küstenwanderung am Vormittag. Begleitet wirst du von Kasia Cierpka. Die nächsten Termine: 17. bis 22. Januar und 24. bis 29. Januar 2027. Alle Termine und Preise ansehen

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