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Fasten in den Wechseljahren: Was du wissen solltest

23. Juli 202610 Min. Lesezeit
Lachende Frau am Meer hält ein rotes Tuch im Wind – Fasten in den Wechseljahren

von Cordelia Jülich, Heilpraktikerin & Fasten-Wander-Leiterin mit über 27 Jahren Erfahrung · Lesezeit ca. 10 Minuten

„Ich mache alles wie immer – und trotzdem verändert sich mein Körper."

Diesen Satz höre ich in meinen Fastenwochen häufiger als jeden anderen. Meist kommt er von Frauen zwischen Mitte vierzig und Mitte fünfzig, und meist mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Ärger. Dieselbe Ernährung wie vor fünf Jahren, dieselbe Bewegung – und trotzdem sitzt plötzlich etwas um die Mitte, das vorher nicht da war. Der Schlaf ist unruhiger. Die Energie kommt in Wellen.

Das ist keine Einbildung, und es ist auch kein Versagen. Es ist Hormonumstellung.

Die Frage, die mir dann fast immer gestellt wird: Ist Fasten in dieser Lebensphase eine gute Idee – oder belastet es einen ohnehin durcheinandergeratenen Körper zusätzlich?

Meine Antwort nach über 27 Jahren: Fasten kann in den Wechseljahren sehr wertvoll sein. Aber es braucht ein paar Anpassungen, die sich von den Empfehlungen für Dreißigjährige unterscheiden. Genau darum geht es in diesem Artikel.

Mehr dazu: den kompletten Leitfaden zum Fastenwandern

Was sich in den Wechseljahren stoffwechselseitig verändert

Um zu verstehen, warum Fasten hier anders wirkt, lohnt ein kurzer Blick auf das, was tatsächlich passiert.

Der Östrogenabfall wirkt bis in den Zuckerstoffwechsel

Östrogen ist weit mehr als ein Fortpflanzungshormon. Es beeinflusst, wie empfindlich deine Zellen auf Insulin reagieren.

Wenn der Östrogenspiegel sinkt, nimmt diese Insulinempfindlichkeit häufig ab. Der Körper muss mehr Insulin ausschütten, um dieselbe Menge Zucker in die Zellen zu bekommen. Und Insulin ist das zentrale Speicherhormon – solange es hoch ist, wird kaum Fett abgebaut.

Das ist einer der Hauptgründe, warum dieselbe Ernährung plötzlich anders wirkt.

Das Fett wandert

Vor den Wechseljahren lagert der weibliche Körper Fett bevorzugt an Hüften und Oberschenkeln ein. Mit dem Hormonwandel verschiebt sich das zur Körpermitte – das sogenannte viszerale Fett, das um die inneren Organe liegt.

Das ist nicht nur eine Frage der Silhouette. Viszerales Fett ist stoffwechselaktiv und begünstigt niedriggradige Entzündungsprozesse.

Die Muskelmasse nimmt ab

Ab etwa dreißig verlieren wir kontinuierlich Muskelmasse, und in den Wechseljahren beschleunigt sich das. Weniger Muskeln bedeuten einen niedrigeren Grundumsatz – bei gleichem Essen also mehr Überschuss.

Dieser Punkt ist für das Fasten der wichtigste, und ich komme gleich ausführlich darauf zurück.

Cortisol und Schlaf geraten aus dem Takt

Viele Frauen berichten in dieser Phase von unruhigem Schlaf und einer geringeren Stressresistenz. Auch das hat hormonelle Gründe – und es hat Konsequenzen dafür, wie eine Fastenwoche gestaltet sein sollte.

Warum Fasten hier besonders sinnvoll sein kann

Wenn man diese vier Veränderungen nebeneinanderlegt, wird deutlich, warum Fasten in dieser Lebensphase gut ansetzt.

Es senkt den Insulinspiegel. Während einer Fastenwoche fällt Insulin auf ein niedriges Niveau und bleibt dort. Die Zellen bekommen eine Pause von der ständigen Reizung – und viele Frauen beschreiben danach, dass Heißhunger und Nachmittagstiefs deutlich nachlassen.

Es geht an das viszerale Fett. Der Körper greift beim Fasten bevorzugt auf diese Reserven zurück.

Die Autophagie räumt auf. Die zelluläre Selbstreinigung, für deren Erforschung Yoshinori Ohsumi 2016 den Medizinnobelpreis erhielt, baut beschädigte Zellbestandteile ab – auch alte, schlecht arbeitende Mitochondrien. Gerade wenn Erschöpfung ein Thema ist, ist das relevant.

Es öffnet ein Fenster für neue Gewohnheiten. Nach einer Fastenwoche schmeckt vieles anders, das Sättigungsgefühl funktioniert wieder. Wer in der Lebensmitte seine Ernährung umstellen möchte, findet hier den besten Einstiegspunkt, den ich kenne.

Weiterlesen: die Autophagie einfach erklärt

Und noch etwas, das schwerer zu messen ist, aber in meinen Gruppen immer wieder auftaucht: das Gefühl, wieder Einfluss zu haben. Die Wechseljahre erleben viele Frauen als etwas, das mit ihnen geschieht. Eine Fastenwoche ist eine Erfahrung, in der man selbst handelt – und merkt, dass der eigene Körper noch erstaunlich viel kann.

Die vier Anpassungen, die ich empfehle

Hier unterscheidet sich meine Empfehlung deutlich von dem, was ich einer Dreißigjährigen sagen würde.

1. Bewegung ist nicht optional

Das ist der wichtigste Punkt dieses Artikels.

Beim Fasten baut der Körper immer auch etwas Eiweiß ab. Wenn die Muskulatur täglich beansprucht wird, bekommt sie das Signal: Diese Struktur wird gebraucht – der Abbau fällt deutlich geringer aus.

In den Wechseljahren, wo ohnehin Muskelmasse verloren geht, ist das entscheidend. Eine reine Liegekur würde ich in dieser Lebensphase nicht empfehlen. Fastenwandern ist hier klar überlegen: moderate, tägliche Bewegung über mehrere Stunden.

Wenn du zu Hause fastest, plane täglich mindestens einen längeren Spaziergang ein. Das ist kein Zusatz, das gehört dazu.

2. Nach der Fastenwoche: Eiweiß und Krafttraining

Was in den Aufbautagen und danach passiert, ist in dieser Lebensphase wichtiger als bei jüngeren Frauen.

Eiweiß hat einen höheren Stellenwert. Hülsenfrüchte, Nüsse, Eier, Fisch, gute Milchprodukte – das sollte nach dem Fasten bewusst wieder Platz bekommen.

Krafttraining ist der wirksamste Hebel gegen den Muskelabbau überhaupt. Zweimal pro Woche reicht, und es muss kein Fitnessstudio sein. Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder Widerstandsbändern zu Hause genügen.

Ich sage das mit Nachdruck, weil ich es oft überhört sehe: Eine Fastenwoche ohne anschließenden Muskelaufbau lässt in dieser Lebensphase Potenzial liegen.

Ausführlich hier: wie der Aufbau gelingt

3. Die Woche ruhiger takten

Wenn dein Schlaf ohnehin unruhig ist und deine Stressresistenz nachgelassen hat, dann plane eine Fastenwoche nicht in eine ohnehin volle Zeit.

Konkret: keine Fastenwoche parallel zu einer beruflichen Hochphase. Mehr Ruhephasen als jüngere Teilnehmerinnen brauchen. Und wenn eine Wanderung zu viel ist, kürze ab – das ist kein Scheitern, sondern gute Selbsteinschätzung.

Bei meinen Wochen sind die Nachmittage bewusst ruhig gehalten, mit Leberwickel und Zeit für sich. Gerade in dieser Lebensphase ist dieses Gegengewicht wichtig.

4. Auf Elektrolyte und Mineralstoffe achten

Frösteln, Kreislaufschwäche und Muskelkrämpfe treten bei Frauen in den Wechseljahren beim Fasten etwas häufiger auf.

Die Antwort ist unspektakulär, aber wirksam: reichlich trinken, gut gesalzene Gemüsebrühe, ausreichend Magnesium. Und mehr Wärme als sonst – eine Schicht mehr anziehen, warme Socken, Fußbad am Abend.

Häufige Fragen aus meinen Gruppen

„Werden die Hitzewallungen schlimmer?"

Ehrliche Antwort: Es ist unterschiedlich. Manche Frauen berichten in den ersten beiden Tagen von mehr Wallungen, meist im Zusammenhang mit der allgemeinen Umstellungsphase. Ab der Ketose beschreiben viele eher eine Besserung.

Es gibt zu dieser Frage keine belastbare Studienlage, auf die ich mich stützen könnte. Was ich sagen kann, ist das, was ich in meinen Gruppen beobachte – und das ist überwiegend positiv, mit einzelnen Ausnahmen.

Vertiefend: was bei der Ketose passiert

„Ich nehme Hormone – geht das trotzdem?"

In der Regel ja. Aber sprich es vorher mit deiner Ärztin ab.

Der Grund: Beim Fasten verändert sich der Stoffwechsel, und damit kann sich verändern, wie Medikamente wirken. Das gilt für Hormonpräparate genauso wie für Blutdruck- oder Schilddrüsenmedikamente.

Bei meinen Fastenwochen führe ich deshalb vorab ein Anamnesegespräch – nicht als Formalität, sondern weil ich wissen möchte, mit wem ich es zu tun habe.

„Bei mir tut sich auf der Waage nichts – warum?"

Das kommt vor, und es frustriert.

Mögliche Gründe: Der Körper hält in dieser Lebensphase Wasser stärker zurück. Der Grundumsatz ist niedriger. Und manchmal ist die Erwartung schlicht zu hoch angesetzt.

Ich sage dazu regelmäßig: Die Waage ist der schlechteste Maßstab für den Wert einer Fastenwoche. Aussagekräftiger sind Schlafqualität, Energieniveau, Heißhungerattacken, Gelenkbeschwerden, Hautbild – und der Bauchumfang, der sich oft ändert, während das Gewicht steht.

„Ich schlafe während des Fastens noch schlechter"

Das kommt in den ersten zwei bis drei Nächten häufig vor, bei Frauen in den Wechseljahren tendenziell etwas ausgeprägter. Verantwortlich sind Cortisolverschiebungen und der stabile, aber niedrigere Blutzucker.

Es legt sich meist ab der dritten Nacht. Und bemerkenswert oft berichten Teilnehmerinnen anschließend von *besserem* Schlaf als vor der Woche.

Hier weiterlesen: Schlafstörungen beim Fasten

„Ist Intervallfasten nicht die bessere Alternative?"

Beides hat seinen Platz, und sie ersetzen einander nicht.

Intervallfasten ist eine gute Alltagsform und in dieser Lebensphase durchaus sinnvoll – schon weil es die nächtliche Essenspause verlängert und den Insulinspiegel im Tagesverlauf senkt.

Was es nicht leistet: die tiefe Ketose und die ausgeprägte Autophagie, für die es mehrere Tage am Stück braucht. Ich sage manchmal: Intervallfasten ist die tägliche Pflege, eine Fastenwoche der Frühjahrsputz.

Wann ich abrate

Nicht jede Frau in den Wechseljahren sollte fasten. Diese Punkte sind für mich klare Grenzen:

  • Essstörung in der Vorgeschichte. Nicht wegen des Verzichts, sondern wegen des Wiedereinstiegs — das Fastenbrechen ist hier der heikle Moment.
  • Untergewicht oder ungewollter Gewichtsverlust.
  • Diagnostizierte Osteoporose. Hier gehört die Entscheidung in ärztliche Hände.
  • Sehr instabile Phase — starke Schlafstörungen, ausgeprägte depressive Verstimmung, hohe Belastung. Fasten ist ein Stressor. In einer Phase, in der ohnehin nichts mehr geht, ist es nicht das richtige Werkzeug.
  • Typ-1-Diabetes sowie fortgeschrittene Nieren- und Lebererkrankungen.

Und generell: Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme immer vorher ärztlich abklären.

Ein abgesagtes Fasten ist kein Scheitern. Es ist eine Entscheidung für den eigenen Körper zum richtigen Zeitpunkt.

Mehr dazu: den wichtigsten Moment der Fastenwoche

Was ich in meinen Gruppen beobachte

Ich möchte das nicht als Studienergebnis verkaufen – es ist meine Erfahrung aus über zwei Jahrzehnten mit einer Zielgruppe, die überwiegend zwischen vierzig und siebzig ist.

Was mir dabei am häufigsten begegnet: Die Frauen kommen wegen des Gewichts. Und sie erzählen mir am Ende von etwas anderem.

Von einem klareren Kopf. Von Gelenken, die nicht mehr so morgensteif sind. Von Schlaf, der wieder trägt. Und sehr oft von dem Gefühl, ihren Körper nach einer Phase der Entfremdung wieder zu spüren.

Diese Rückmeldung – „ich fühle mich wieder wie ich selbst" – bekomme ich von Frauen in den Wechseljahren häufiger als von jeder anderen Gruppe.

Mein Fazit

Fasten in den Wechseljahren ist möglich und aus meiner Sicht besonders wertvoll – wenn man drei Dinge beachtet:

Bewegung gehört dazu, um die Muskulatur zu schützen. Fastenwandern statt Liegekur.

Nach der Woche kommt der wichtigere Teil: Eiweiß und Krafttraining, damit das Ergebnis Bestand hat.

Und die Erwartung gehört auf den Boden. Es geht nicht darum, den Körper von vor zehn Jahren zurückzubekommen. Es geht darum, mit dem Körper, den du jetzt hast, gut zu leben.

Diese Lebensphase ist keine Krankheit. Sie ist ein Übergang – und Fasten ist eine der wenigen Methoden, die dabei nicht gegen den Körper arbeiten, sondern mit ihm.

Du möchtest es ausprobieren – gut begleitet?

Meine Fastenwanderungen richten sich vor allem an Frauen in der Lebensmitte. Wir wandern in ruhigem Tempo, die Nachmittage sind bewusst ruhig gehalten. In Prerow ergänzt eine sanfte Yoga-Praxis das Programm, die auf die Bedürfnisse in dieser Lebensphase abgestimmt ist. Bei der Master-Fastenwoche in Chorin gehören ein ausführliches Anamnesegespräch vorab und eine individuelle Nachbetreuung dazu. Wenn du lieber zu Hause startest, ist das begleitete Online-Fasten dein Einstieg.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei bestehenden Erkrankungen, Hormontherapie oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sprich vor einer Fastenwoche bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.