Fastenwandern: Der komplette Leitfaden für deine erste Fastenwoche

von Cordelia Jülich, Heilpraktikerin & Fasten-Wander-Leiterin mit über 27 Jahren Erfahrung · Lesezeit ca. 14 Minuten
Es ist Sonntagnachmittag, und eine Frau steht mit ihrem Koffer vor der Unterkunft in Chorin. Sie sieht müde aus. Sie hat sich diese Woche vor Monaten gebucht, in einem Moment der Entschlossenheit – und in den Tagen davor immer wieder gedacht: *Was mache ich hier eigentlich? Sechs Tage ohne feste Nahrung. Ich schaffe das nie.*
Diese Frau habe ich in über 27 Jahren hunderte Male begrüßt. Und ich kann dir sagen, was fast immer passiert: Am Mittwoch wandert sie mit einer Leichtigkeit den Hügel hinauf, die sie sich am Sonntag nicht zugetraut hätte. Am Samstag sagt sie den Satz, den ich am häufigsten höre: „Ich hätte nicht gedacht, dass das *so* geht."
Wenn du diesen Leitfaden liest, stehst du vielleicht gerade an einem ähnlichen Punkt. Du bist neugierig – und unsicher. Deshalb habe ich hier alles zusammengetragen, was du vor deiner ersten Fastenwoche wissen möchtest: was im Körper passiert, wie eine Woche abläuft, für wen es geeignet ist, was es kostet und welche Sorgen sich als unbegründet erweisen.
Ehrlich, fundiert und ohne Esoterik. So, wie ich es einer Freundin erzählen würde.
Was ist Fastenwandern überhaupt?
Fastenwandern verbindet zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen: den Verzicht auf feste Nahrung und tägliche Bewegung in der Natur.
Während einer Fastenwoche nimmst du keine feste Nahrung zu dir. Stattdessen trinkst du reichlich – Wasser, Kräutertees, klare Gemüsebrühe und verdünnte Säfte. Und du wanderst täglich mehrere Stunden in ruhigem Tempo.
Genau diese Kombination ist der Kern der Sache.
Der Unterschied zum klassischen Heilfasten
Beim traditionellen Heilfasten nach Buchinger, wie es in Kliniken praktiziert wird, steht die Ruhe im Vordergrund. Die Fastenden liegen viel, schonen sich, sparen Kraft.
Beim Fastenwandern gehen wir einen anderen Weg – und aus meiner Erfahrung einen wirksameren. Denn moderate Bewegung während des Fastens hat mehrere Effekte:
Sie beschleunigt die Stoffwechselumstellung. Wer sich bewegt, leert seine Glykogenspeicher schneller. Die Umstellung auf Fettverbrennung beginnt dadurch früher – und die schwierige Phase am zweiten und dritten Tag verkürzt sich spürbar.
Sie schützt die Muskulatur. Das ist der wichtigste Punkt. Ein Körper, der fastet und sich nicht bewegt, baut auch Muskelmasse ab. Ein Körper, der die Muskulatur täglich beansprucht, erhält das Signal: Diese Struktur wird gebraucht. Der Abbau fällt deutlich geringer aus.
Sie hebt die Stimmung. Bewegung an frischer Luft wirkt auf den Serotoninhaushalt. Und ganz praktisch: Wer unterwegs ist, denkt weniger ans Essen als jemand, der in einem Zimmer sitzt.
Der Unterschied zum Intervallfasten
Intervallfasten – etwa nach dem 16:8-Prinzip – ist eine Ernährungsform für den Alltag. Du verkürzt täglich das Zeitfenster, in dem du isst.
Das ist sinnvoll und ich empfehle es vielen Menschen. Es ist aber etwas grundlegend anderes. Beim Intervallfasten erreichst du in der Regel keine tiefe Ketose und keine ausgeprägte Zellreinigung. Dafür braucht es mehrere Tage am Stück ohne Nahrung.
Man könnte sagen: Intervallfasten ist die tägliche Pflege, eine Fastenwoche der große Frühjahrsputz.
Was im Körper passiert – die Stoffwechselumstellung
Das ist für mich der faszinierendste Teil, und ich erlebe immer wieder, wie sehr das Verständnis dafür die Angst nimmt. Denn wer weiß, was in seinem Körper vorgeht, deutet Symptome anders.
Tag 1: Die Speicher leeren sich
Dein Körper bezieht seine Energie normalerweise aus Kohlenhydraten. Was er nicht sofort braucht, speichert er als Glykogen in Leber und Muskulatur.
Diese Speicher reichen etwa 24 Stunden. In der ersten Fastennacht neigen sie sich dem Ende zu. Nebenbei verlierst du dabei Wasser, denn Glykogen bindet reichlich Flüssigkeit – das erklärt den überraschend hohen Gewichtsverlust der ersten beiden Tage. Es ist noch kein Fett.
Tag 2–3: Der Körper stellt um
Jetzt kommt der anspruchsvollste Teil. Die Kohlenhydratspeicher sind leer, aber die Fettverbrennung läuft noch nicht auf vollen Touren. Der Körper muss umschalten.
Zwei Prozesse beginnen:
Gluconeogenese. Die Leber stellt aus Eiweißbausteinen und Glycerin neuen Zucker her. Denn bestimmte Zellen – rote Blutkörperchen etwa – brauchen zwingend Glukose.
Ketogenese. Aus Fettsäuren entstehen Ketonkörper, ein alternativer Brennstoff. Vor allem das Gehirn kann damit hervorragend arbeiten.
Ich habe das bei mir selbst mit einem Glukosesensor über eine ganze Fastenwoche verfolgt. Das Ergebnis hat mich beeindruckt: Mein Blutzucker blieb die gesamte Woche stabil zwischen 80 und 100 mg/dl – ohne dass ich ein einziges Gramm Zucker zu mir genommen hätte. Der Körper reguliert das vollkommen selbstständig.
In dieser Übergangsphase liegt die sogenannte Fastenkrise: Kopfschmerzen, Reizbarkeit, manchmal Frösteln. Sie ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgeht. Sie ist das Zeichen, dass die Umstellung läuft.
Mehr dazu: die Fastenkrise an Tag 2 und 3
Ab Tag 3–4: Die Ketose
Und dann kippt es. Fast alle Teilnehmerinnen beschreiben denselben Moment: Der Hunger verschwindet, der Kopf wird klar, die Energie kommt zurück.
Das ist die etablierte Ketose. Der Körper deckt seinen Bedarf jetzt überwiegend aus Fettreserven und arbeitet damit ausgesprochen effizient. Viele berichten von einer mentalen Klarheit, die sie im Alltag lange nicht kannten.
Weiterlesen: was bei der Ketose passiert
Die Zellreinigung: Autophagie
Parallel läuft ein Prozess, für den der japanische Forscher Yoshinori Ohsumi 2016 den Medizinnobelpreis erhielt: die Autophagie, wörtlich „Selbstverdauung".
Wenn keine Nahrung von außen kommt, beginnen die Zellen, ihre eigenen beschädigten Bestandteile abzubauen und die Bausteine wiederzuverwerten. Fehlgefaltete Proteine, defekte Zellorganellen – auch alte, schlecht arbeitende Mitochondrien werden dabei aussortiert.
Es ist ein Recyclingsystem, das nur anspringt, wenn wir ihm die Gelegenheit dazu geben. Und genau hier liegt für mich die Verbindung zwischen Fasten und gesundem Altern: Longevity ist keine Frage teurer Präparate. Sie ist zu einem großen Teil eine Frage von Pausen.
Das meine ich, wenn ich sage: Fasten ist Longevity für jeden Geldbeutel.
Ausführlich hier: die Autophagie einfach erklärt · Longevity ohne teure Supplements
Der Ablauf einer Fastenwoche – Tag für Tag
Eine Fastenwoche beginnt nicht am ersten Fastentag und endet nicht am letzten. Sie hat vier Phasen, und jede hat ihre eigene Logik.
Phase 1: Die Entlastungstage
Ein bis zwei Tage vor dem eigentlichen Fasten reduzierst du bereits: leichte Kost, kleine Portionen, kein Fleisch, kein Alkohol, kein Kaffee. Reis, gedünstetes Gemüse, Obst.
Diese Tage werden oft übersprungen – ein Fehler. Wer direkt vom Sonntagsbraten ins Fasten geht, erlebt die Umstellung deutlich härter. Die Entlastungstage sind die günstigste Investition in eine gute Fastenwoche.
Besonders der Koffeinentzug lohnt sich vorab. Wer am ersten Fastentag zusätzlich seinen Kaffee weglässt, bekommt Kopfschmerzen, die mit dem Fasten selbst wenig zu tun haben.
Vertiefend: die Entlastungstage vor dem Fasten
Phase 2: Der Einstieg
Klassischerweise beginnt die Fastenwoche mit einer Darmentleerung, meist mit Glaubersalz. Das klingt unangenehm, ist aber sinnvoll: Ein entleerter Darm bedeutet weniger Hungergefühl und einen ruhigeren Start.
Ab jetzt gilt: viel trinken. Zweieinhalb bis drei Liter täglich – Wasser, Kräutertee, Brühe, verdünnte Säfte.
Phase 3: Die Fastentage
Der Rhythmus einer typischen Fastenwanderwoche:
Morgens ein warmer Tee, dann eine gemeinsame Runde sanfter Bewegung oder Yoga. Danach die Wanderung – vier bis fünf Stunden in ruhigem Tempo, mit Pausen. Es geht nicht um Leistung.
Mittags unterwegs eine Brühe oder ein verdünnter Saft.
Nachmittags Ruhe, ein Leberwickel, Zeit für sich. Der warme Leberwickel gehört für mich fest dazu – die Wärme wird als sehr wohltuend empfunden und die Ruhephase ist ein wichtiges Gegengewicht zur Bewegung.
Abends ein Gruppengespräch. Über das, was der Tag gebracht hat, über Hindernisse, über das, was danach kommt. Dieser Teil wird von vielen unterschätzt – und im Rückblick oft als das Wertvollste beschrieben.
Phase 4: Das Fastenbrechen und die Aufbautage
Das Fastenbrechen ist der wichtigste Moment der ganzen Woche. Traditionell mit einem reifen Apfel, langsam und bewusst gegessen.
Danach folgen die Aufbautage – und hier entscheidet sich, ob dein Ergebnis Bestand hat. Der Verdauungsapparat hat pausiert, die Enzymproduktion fährt erst wieder hoch. Wer jetzt zu schnell zu viel isst, riskiert Beschwerden und verliert einen Teil dessen, was er sich erarbeitet hat.
Drei bis vier Aufbautage sind das Minimum. Sanft Gegartes zuerst: gedünstetes Gemüse, Kartoffeln, Suppen. Rohkost kommt ab etwa Tag drei zurück – gern mit einer warmen Komponente kombiniert, das macht sie bekömmlicher.
Meine Faustregel: Rechne für die Aufbautage etwa ein Drittel der Fastenzeit.
Hier weiterlesen: das Fastenbrechen · die Aufbautage nach dem Fasten Ebenfalls interessant: Rohkost am Abend (Artikel folgt).
Für wen Fastenwandern geeignet ist – und für wen nicht
Hier möchte ich ehrlich sein, auch wenn Ehrlichkeit an dieser Stelle Teilnehmerinnen kosten kann. Fasten ist ein wirksames Verfahren – und wirksame Verfahren haben Grenzen.
Gut geeignet ist Fastenwandern für dich, wenn du
- gesund bist und deinem Körper eine Pause gönnen möchtest
- dich träge und belastet fühlst, ohne dass eine Krankheit dahintersteckt
- deine Ernährungsgewohnheiten grundsätzlich überdenken willst
- Erfahrungen mit dir selbst machen möchtest – körperlich und mental
- in der Lebensmitte stehst und spürst, dass sich dein Stoffwechsel verändert
- normal gehfähig bist und vier bis fünf Stunden in ruhigem Tempo wandern kannst
Mehr dazu: Fasten in den Wechseljahren
Nicht geeignet ist Fasten bei
Es gibt Situationen, in denen ich von einer Fastenwoche abrate – ausnahmslos:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Essstörungen in der Vorgeschichte oder aktuell
- Untergewicht
- fortgeschrittenen Nieren- oder Lebererkrankungen
- Typ-1-Diabetes
- akuten schweren Erkrankungen
Und dann gibt es eine dritte Gruppe: Erkrankungen, bei denen Fasten oft sehr wohl möglich ist – aber nicht auf eigene Faust. Hier ist die ärztliche Abstimmung vorher keine Formalität, sondern Voraussetzung.
Typ-2-Diabetes
Gerade beim Typ-2-Diabetes kann Fasten viel bewegen: Die Insulinempfindlichkeit verbessert sich, der Blutdruck sinkt, eine Fettleber bildet sich zurück. Wer gut eingestellt ist, darf grundsätzlich fasten.
Der Haken liegt bei den Medikamenten. Blutzuckersenker wie Metformin oder Sulfonylharnstoffe werden während des Fastens in der Regel abgesetzt, Insulinmengen deutlich reduziert – beides gehört zwingend in ärztliche Hand, sonst droht eine Unterzuckerung. Üblich ist außerdem eine Laborkontrolle vor Beginn. Auf eigene Faust zu fasten und die gewohnte Dosis weiterzunehmen, ist der klassische Fehler.
Bluthochdruck mit Medikation
Beim Fasten sinkt der Blutdruck fast immer – das ist erwünscht, macht aber die gewohnte Dosis oft zu stark. Schwindel beim Aufstehen ist dann kein Fastensymptom, sondern ein Medikamenteneffekt.
Besonders wichtig sind Entwässerungsmittel (Diuretika): Sie werden beim Fasten üblicherweise abgesetzt, weil sonst der Mineralhaushalt entgleisen kann. Auch bei ACE-Hemmern und Sartanen ist Aufmerksamkeit geboten. Kurz: Fasten ja – aber mit ärztlich angepasster Medikation.
Schilddrüse und Hashimoto
Hier bin ich zurückhaltender, als viele erwarten. Fasten ist ein Stressreiz für den Körper, und die Schilddrüse reagiert darauf: Schon nach kurzer Zeit ohne Nahrung sinkt das aktive Schilddrüsenhormon T3, während das inaktive reverse T3 steigt. Bei einer gut eingestellten Hashimoto-Erkrankung in ruhiger Phase spricht aus meiner Sicht nichts gegen eine begleitete Fastenwoche – bei starken Schwankungen, frischer Diagnose oder ausgeprägter Erschöpfung rate ich ab oder verschiebe.
Die Schilddrüsenmedikation läuft während des Fastens weiter, nüchtern wie gewohnt. Lass deine Werte vorher kontrollieren und sprich die Woche mit der Praxis ab, die dich behandelt.
Gicht und erhöhte Harnsäure
Das ist der Punkt, der am häufigsten übersehen wird. Beim Fasten steigt die Harnsäure – die Ketonkörper konkurrieren in der Niere mit der Harnsäureausscheidung. Bei entsprechender Veranlagung kann das einen Gichtanfall auslösen.
Das heißt nicht, dass Fasten bei Gicht ausgeschlossen ist. Es heißt: reichlich trinken (hier wirklich drei Liter), harnsäuresenkende Medikation nicht eigenmächtig absetzen, und die Woche vorher ärztlich besprechen. In einer akuten Gichtphase wird nicht gefastet.
Mein Vorgehen
Bei allen vier Gruppen gilt bei mir dasselbe: Wir sprechen vorher ausführlich. Ich möchte wissen, welche Medikamente du nimmst, wie stabil deine Werte sind und wer dich ärztlich begleitet. Manchmal ist das Ergebnis dieses Gesprächs, dass wir die Woche verschieben. Das ist kein schlechtes Ergebnis – es ist ein verantwortungsvolles.
Der wichtigste Punkt: Medikamente
Wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst, sprich vor einer Fastenwoche unbedingt mit deiner Ärztin. Der Grund ist einfach: Beim Fasten verändert sich der Stoffwechsel, und damit verändert sich auch, wie Medikamente wirken.
Bei Blutdruckmitteln und blutzuckersenkenden Medikamenten kann die gewohnte Dosis während des Fastens zu stark wirken. Das ist kein Grund gegen das Fasten – aber ein zwingender Grund für eine ärztliche Abstimmung vorher.
Bei meinen Fastenwochen führe ich deshalb vorab ein Anamnesegespräch. Nicht als Formalität, sondern weil ich wissen möchte, mit wem ich es zu tun habe.
Die häufigsten Sorgen – und was wirklich passiert
Diese sechs Fragen bekomme ich in fast jedem Vorgespräch.
„Ich halte doch keinen Tag ohne Essen durch"
Der häufigste Satz, und fast immer widerlegt er sich selbst.
Was viele mit Hunger verwechseln, ist Gewohnheit. Wir essen, weil es zwölf Uhr ist, weil der Teller vor uns steht, weil es der Kollege auch tut. Echter körperlicher Hunger fühlt sich anders an – und er verschwindet in der Regel ab dem dritten Tag weitgehend.
Das ist kein Willensakt. Es ist Physiologie: Sobald die Ketose etabliert ist, sendet der Körper kein Mangelsignal mehr.
„Bekomme ich Kopfschmerzen?"
Möglich, vor allem am zweiten Tag. Die Ursachen sind meist banal: Koffeinentzug, zu wenig Trinken, Elektrolytverschiebungen.
Was hilft: die Entlastungstage ernst nehmen, den Kaffee schon vorher reduzieren, viel trinken, Brühe für die Mineralstoffe. Meist ist es nach 24 bis 36 Stunden vorbei.
„Schlafe ich schlechter?"
Bei vielen ja, in den ersten Nächten. Manche wachen gegen zwei oder drei Uhr auf und liegen wach.
Dahinter stehen Veränderungen im Cortisolrhythmus und der stabile, aber niedrigere Blutzuckerspiegel. Es ist unangenehm, aber unbedenklich – und legt sich meist ab der dritten Nacht. Interessanterweise berichten viele Teilnehmerinnen anschließend von *besserem* Schlaf als vorher.
Weiterlesen: Schlafstörungen beim Fasten
„Baue ich Muskeln ab?"
Ein berechtigter Einwand, und genau hier liegt der Vorteil des Fastenwanderns gegenüber der Liegekur. Wer seine Muskulatur täglich beansprucht, signalisiert dem Körper, dass diese Struktur gebraucht wird. Der Eiweißabbau fällt deutlich geringer aus.
Zusätzlich hilft ausreichend Trinken und die Brühe.
„Kommt danach der Jo-Jo-Effekt?"
Wenn du nach der Fastenwoche wieder genauso isst wie vorher: ja, natürlich.
Deshalb sage ich immer: Eine Fastenwoche ist keine Diät, sondern ein Neustart. Der eigentliche Wert liegt nicht in den Kilos, sondern in dem, was danach kommt. Nach sechs Tagen ohne feste Nahrung schmeckt vieles anders. Der Zugriff auf Süßes lockert sich, das Sättigungsgefühl funktioniert wieder.
Dieses Fenster ist der Moment, in dem sich Gewohnheiten tatsächlich ändern lassen. Die Aufbautage sind dafür entscheidend.
„Bin ich leistungsfähig genug zum Wandern?"
Am ersten und zweiten Tag fühlt sich das Gehen oft schwer an. Ab Tag drei kippt es – und viele beschreiben dann eine Leichtigkeit, die sie überrascht.
Wichtig ist das Tempo. Wir wandern in einem Rhythmus, bei dem Unterhaltung möglich bleibt. Es ist keine sportliche Herausforderung, sondern eine gleichmäßige, ruhige Bewegung über mehrere Stunden.
Fastenwandern allein oder in der Gruppe?
Grundsätzlich kannst du zu Hause fasten. Viele tun das, und es funktioniert.
Trotzdem beobachte ich seit über zwei Jahrzehnten dasselbe Muster: Die erste Fastenwoche gelingt in Begleitung deutlich häufiger. Dafür gibt es vier Gründe.
Der Alltag fällt weg. Zu Hause stehst du in derselben Küche, öffnest denselben Kühlschrank, kochst für die Familie. In einer Fastenwoche ist all das nicht da. Diese äußere Entlastung wird regelmäßig unterschätzt.
Jemand ordnet ein, was gerade passiert. Am zweiten Tag mit Kopfschmerzen aufzuwachen, ohne zu wissen, ob das normal ist, führt bei vielen zum Abbruch. Wenn jemand sagt „Das ist die Umstellung, morgen sieht es anders aus", geht man weiter.
Die Gruppe trägt. Sechs bis zwölf Frauen, die dasselbe durchmachen. Es entsteht eine Offenheit, die im Alltag selten ist. Viele Teilnehmerinnen erzählen mir hinterher, dass die Gespräche am Abend das Eigentliche waren.
Der Rahmen nimmt Entscheidungen ab. Kein Überlegen, was heute ansteht. Der Tag hat eine Struktur, und du gehst einfach mit.
Wenn eine Präsenzwoche für dich gerade nicht passt – zeitlich oder finanziell – ist begleitetes Online-Fasten ein guter Einstieg. Du fastest zu Hause, hast aber täglich eine Videobegleitung und eine Gruppe. Es ersetzt die Woche in der Natur nicht, aber es löst das entscheidende Problem: Du bist nicht allein damit.
Was du mitbringen solltest
Für die Wanderungen
- Eingelaufene Wanderschuhe – bitte keine neuen
- Wetterfeste Jacke und Regenhose
- Zwiebelprinzip beim Anziehen; beim Fasten friert man leichter
- Kleiner Tagesrucksack
- Trinkflasche oder Thermobecher
- Wanderstöcke, wenn du sie gewohnt bist
Für die Ruhephasen
- Wärmflasche für den Leberwickel
- Bequeme Kleidung, warme Socken
- Zwei Handtücher für den Wickel
- Ein Buch oder ein Notizheft
Praktisches
- Deine Medikamente inklusive Liste
- Trockenbürste für die Haut
- Zungenschaber
- Ggf. Basensalz für ein Fußbad
Was du nicht brauchst
- Snacks „für den Notfall" – sie helfen nicht, sie verlängern nur die Unsicherheit
- Nahrungsergänzungsmittel, wenn nicht individuell abgesprochen
- Sportliche Ambitionen
Ein Hinweis zum Wärmen: Beim Fasten sinkt die Kerntemperatur leicht. Fast alle Teilnehmerinnen frieren stärker als sonst. Nimm lieber eine Schicht zu viel mit.
Was Fastenwandern kostet
Ich finde, über Geld sollte man offen sprechen.
Die Kursgebühr liegt je nach Ort und Angebot zwischen 445 und 695 €. Darin steckt meine fachliche Leistung: das Anamnesegespräch vorab, die tägliche Begleitung durch die Fastenwoche, die geführten Wanderungen, das Begleitmaterial und die Empfehlungen für die Aufbautage danach.
Dazu kommt die Unterkunft, die du direkt beim jeweiligen Haus buchst. Sie unterscheidet sich je nach Ort und Zimmerwunsch deutlich – Einzelzimmer kosten entsprechend mehr als ein geteiltes Doppelzimmer. Die genauen Zahlen für jeden Ort findest du auf der Seite der jeweiligen Fastenreise.
Ich nenne beide Beträge bewusst getrennt, damit du siehst, wofür du was bezahlst.
Zur Einordnung: Eine begleitete Fastenwoche in einer Klinik kostet ein Vielfaches. Und wenn du die Woche gegen das rechnest, was in derselben Zeit sonst an Lebensmitteln, Restaurantbesuchen und Alltagskosten anfällt, relativiert sich der Betrag spürbar.
Zwei Möglichkeiten, den Preis zu senken:
Der Freundinnen-Rabatt. Bringst du jemanden mit, bekommt ihr beide 50 € Nachlass. Und Fasten zu zweit ist leichter.
Das Online-Fasten als Einstieg. Wenn eine Präsenzwoche gerade nicht im Budget liegt, ist das begleitete Online-Fasten der günstigere Weg – mit derselben fachlichen Begleitung.
Ich sage das offen, weil es zu meiner Überzeugung gehört: Fasten ist Longevity für jeden Geldbeutel. Der Zugang zu gesundem Altern sollte nicht davon abhängen, was jemand verdient.
Deine nächsten Schritte
Wenn du bis hierher gelesen hast, ist die Neugier vermutlich größer als die Skepsis. Dann hier drei Wege, je nachdem, wo du stehst.
Du möchtest es richtig machen und in einer Gruppe starten.
Meine Fastenwanderungen finden an vier Orten statt: in Chorin in der Schorfheide, in der Sächsischen Schweiz, in Prerow an der Ostsee und in Polen. Jeder Ort hat seinen eigenen Charakter – die Sächsische Schweiz ist anspruchsvoller, Prerow flach und meeresnah.
Eine Sonderstellung hat die Master-Fastenwoche in Chorin: mit ausführlichem Anamnesegespräch vorab, persönlichem Coaching während der Woche und individueller Nachbetreuung.
Du möchtest zu Hause starten.
Das begleitete Online-Fasten führt dich mit täglichen Videocalls durch die Woche – von den Entlastungstagen bis zum Aufbau.
Du möchtest erst mehr wissen.
Dann lies dich weiter ein. Besonders empfehle ich die Artikel zu den Entlastungstagen, zur Fastenkrise und zu den Aufbautagen – damit weißt du, was auf dich zukommt.
Zum Schluss
Die Frau aus Chorin, von der ich am Anfang erzählt habe, kommt inzwischen jedes Jahr. Nicht, weil sie abnehmen möchte. Sondern weil sie in dieser Woche etwas gefunden hat, das ihr im Alltag verloren gegangen war: das Gefühl, dass ihr Körper weiß, was er tut.
Genau darum geht es. Nicht um Verzicht als Selbstzweck, nicht um Kilos, nicht um Disziplin.
Sondern um eine Pause – und darum, was danach möglich wird.
*Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen.*
Herzlich, deine Cordelia
Bereit für deine erste Fastenwoche?
Meine Fastenwanderungen finden in Chorin, der Sächsischen Schweiz, in Prerow und in Polen statt. Alle Termine findest du hier. Wenn du lieber von zu Hause startest, ist das begleitete Online-Fasten dein Einstieg.
Dieser Leitfaden ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei bestehenden Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sprich vor einer Fastenwoche bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.