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Schadet Abführen beim Fasten deiner Darmflora?

28. September 20267 Min. Lesezeit
Frau formt mit beiden Händen ein Herz auf ihrem Bauch

von Cordelia Jülich, Heilpraktikerin & Fasten-Wander-Leiterin mit über 27 Jahren Erfahrung · Lesezeit ca. 7 Minuten

Vor ein paar Tagen schrieb mir eine Leserin: Sie habe in einem Buch über Fasten gelesen, dass die Darmreinigung das Mikrobiom störe oder sogar schädige. Das klinge für sie plausibel, und jetzt zögere sie, wieder zu fasten.

Diese Frage höre ich in letzter Zeit oft, und sie ist berechtigt. Deshalb schaue ich heute genau hin: Was ist an der Sorge dran, woher kommt sie, und was heißt das für deine nächste Fastenwoche?

Die kurze Antwort

Ja, Abführen verändert die Darmflora. Nach allem, was die Forschung bisher zeigt, aber vorübergehend. Bei gesunden Menschen hat sie sich in den meisten Studien nach zwei bis vier Wochen weitgehend wieder eingependelt. Einen dauerhaften Schaden durch das Abführen in einer Fastenwoche hat bisher keine Studie gezeigt. Umgekehrt ist aber auch nicht belegt, dass eine Darmreinigung dem Mikrobiom einen Neustart verschafft.

Für deinen Darm zählt deshalb weniger der erste Fastentag als das, was du in den Wochen danach isst.

Woher die Sorge kommt

Die meisten Warnungen stützen sich auf Studien zur Vorbereitung auf eine Darmspiegelung. Dort trinkt man mehrere Liter einer Spüllösung, bis der Darm vollständig leer ist. Das ist deutlich mehr als das, was in einer Fastenwoche üblich ist.

Die bekannteste dieser Studien stammt aus Finnland und erschien 2015 in der Fachzeitschrift Gut. 23 gesunde Erwachsene tranken die Spüllösung, entweder auf einmal oder auf zwei Portionen verteilt. Direkt danach war die Menge der Bakterien im Stuhl stark gesunken, und die Zusammensetzung hatte sich verschoben. Nach 14 Tagen war bei den meisten die gewohnte, ganz persönliche Darmflora wieder da. Wer die Lösung auf zwei Portionen verteilt getrunken hatte, zeigte von vornherein weniger Veränderungen.

Eine weitere Studie von 2019 mit Vergleichsgruppe kam zu einem ähnlichen Ergebnis: deutliche Veränderungen direkt nach der Spülung, nach zwei Wochen kein messbarer Unterschied mehr.

Ehrlicherweise gehört auch das dazu: Nicht jede Studie findet eine so schnelle Erholung. In einer Untersuchung von 2025 war die Vielfalt der Darmflora nach 14 Tagen noch nicht ganz auf dem Ausgangsniveau, und wie stark die Veränderung war, hing von der Spülmethode und vom Alter ab. Die Erholung braucht also manchmal etwas länger. Hinweise auf einen dauerhaften Schaden bei gesunden Menschen liefern diese Studien aber nicht.

Die zweite Quelle der Sorge sind Tierversuche. Mäuse, die wochenlang gar keine Ballaststoffe bekamen, hatten Darmbakterien, die sich stattdessen an der schützenden Schleimschicht der Darmwand bedienten. Das ist ein wichtiger Befund. Er beschreibt aber Mäuse mit einer vereinfachten Darmflora über Wochen ohne Ballaststoffe, nicht eine begleitete Fastenwoche beim Menschen.

Was beim Fasten selbst passiert

Beim Fasten verändert sich die Darmflora ohnehin, auch ganz ohne Abführen. Deine Darmbakterien leben von dem, was du isst, vor allem von Pflanzenfasern. Bekommen sie ein paar Tage nichts, verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen den Arten.

Genau das hat ein Team um die Buchinger Wilhelmi Klinik untersucht, erschienen 2019 im Journal of Nutritional Science. 15 gesunde Männer fasteten zehn Tage nach Buchinger, mit rund 250 Kilokalorien am Tag und einem Einlauf alle zwei Tage. Die Darmflora veränderte sich während des Fastens deutlich. Drei Monate später war ihre Zusammensetzung wieder wie vorher.

Diese Studie kommt unserer Fastenpraxis am nächsten. Sie ist klein, und es waren nur Männer. Aber sie zeigt: Fasten mit regelmäßiger Darmentleerung hat bei diesen gesunden Teilnehmern keine Veränderung hinterlassen, die nach drei Monaten noch messbar war.

Ist Abführen so schlimm wie ein Antibiotikum?

Diesen Vergleich liest man in manchen Büchern und Blogs. Ich halte ihn für überzogen. Ein Antibiotikum tötet Bakterien ab. In einer dänischen Studie bekamen gesunde Männer vier Tage lang eine Kombination aus drei Antibiotika, und einige Bakterienarten waren auch nach einem halben Jahr noch nicht zurück. Eine Darmspülung dagegen schwemmt vor allem aus, was im Darminneren liegt. Die Studien oben zeigen, dass sich die Darmflora danach deutlich schneller erholt.

Das heißt nicht, dass Abführen belanglos ist. Es ist ein Eingriff in deinen Darm. Aber einer, von dem er sich nach heutigem Wissen gut erholt.

Musst du überhaupt abführen?

Nein. In der klassischen Buchinger Tradition gehört das Abführen dazu, weil viele berichten, dass der Hunger danach schneller nachlässt und der Einstieg leichter fällt. Eine zwingende Notwendigkeit ist es nicht, und es gibt erfahrene Fastenärztinnen und Fastenärzte, die darauf verzichten.

Bei mir entscheidest du selbst. Diese drei Fragen helfen dabei:

  • Du fühlst dich mit dem Abführen wohl? Dann spricht nach heutigem Wissen nichts dagegen, es so zu machen wie gewohnt. Viele kommen mit einer sanften Form wie einem Einlauf gut zurecht.
  • Du zögerst oder hast einen empfindlichen Darm? Dann lass es weg. Gerade bei kürzeren Fastenzeiten und mit gemüsereichen Entlastungstagen kommen viele gesunde Menschen gut ohne aus.
  • Du hast eine Darmerkrankung oder nimmst regelmäßig Medikamente? Dann sprich das Abführen vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab. Abführmittel können beeinflussen, wie gut Medikamente aufgenommen werden.

Die beste Fastenwoche ist nicht die strengste, sondern die, die du mit einem guten Gefühl zu Ende bringst.

Worauf es wirklich ankommt: die Wochen danach

Wenn sich deine Darmflora nach dem Fasten neu sortiert, bestimmst du mit, womit. Viele Darmbakterien sind Spezialisten für bestimmte Pflanzenfasern. Je abwechslungsreicher du isst, desto mehr verschiedene Arten bekommen Futter.

In einer großen Beobachtungsstudie hatten Menschen, die mehr als 30 verschiedene Pflanzen pro Woche aßen, im Schnitt eine vielfältigere Darmflora als Menschen mit zehn oder weniger. Wie du nach dem Fasten sanft dorthin kommst, beschreibe ich in 30 Pflanzen pro Woche.

Für die ersten Tage heißt das: In den Aufbautagen mit gedünstetem Gemüse, Kartoffeln und Haferflocken beginnen, dann Schritt für Schritt Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse, Samen und Kräuter dazunehmen. Das bringt deinem Darm nach heutigem Wissen mehr als jede Kapsel.

Mein Fazit nach 27 Jahren

Ich habe in 27 Jahren Tausende Menschen durchs Fasten begleitet, mit und ohne Abführen. Die Sorge um die Darmflora nehme ich ernst. Sie ist aber kein Grund, aufs Fasten zu verzichten. Sie ist eher eine Einladung, dein Fasten so zu gestalten, dass es zu dir passt: mit oder ohne Abführen, und mit bewussten Aufbautagen danach.

Wenn du das nicht allein entscheiden willst

Im begleiteten Online-Fasten zeige ich dir beide Wege, Glaubersalz und Einlauf, und du entscheidest in Ruhe, ob du überhaupt abführen möchtest. Deine Fragen dazu beantworte ich dir im Live-Call und in der WhatsApp Gruppe, während der Fastentage und der Aufbautage.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Eine Fastenwoche ist nicht für jede Frau geeignet. Wer schwanger ist, stillt, untergewichtig ist, eine Essstörung hat, an einer Erkrankung leidet oder dauerhaft Medikamente einnimmt, klärt ein Fastenvorhaben vorher ärztlich ab. Medikamente werden nie eigenmächtig verändert oder abgesetzt.

Quellen

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